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Wie nachhaltig sind Smartphones?

Langlebigkeit & Reparatur

Je länger ein Smartphone nutzbar ist, desto nachhaltiger ist es. Das beginnt mit dem Design, über die Verfügbarkeit von Ersatzteilen bis hin zum Zeitraum wie lange Softwareupdates garantiert werden. Bei der Reparaturfähigkeit orientieren wir uns am ifixit Score.

Maximal 20 Punkte

Update-Versorgung (OS & Security)

  • Gesetzliche Baseline (EU): 5 Jahre Sicherheitsupdates.
  • Markt-Status-Quo (Best Practice): Google und Samsung bieten bei Flaggschiffen bereits 7 Jahre.
  • Realistisches Leadership-Ziel: 8 bis 10 Jahre.
  • Warum? Es gibt keinen technischen Grund, warum ein Sicherheits-Patch nicht auch nach 10 Jahren noch ausgeliefert werden kann (siehe Desktop-PCs). Apple hat historisch oft gezeigt, dass 6–8 Jahre machbar sind, ohne es offiziell zu garantieren.
  • Bewertung im FutureScore:
    • 5 Jahre und weniger = 0 Punkte.
    • 6 Jahre = 2 Punkte.
    • 7 Jahre = 4 Punkte.
    • 8 Jahre = 6 Punkte
    • 10 Jahre und mehr = 8 Punkte

Verfügbarkeit von Ersatzteilen

  • Gesetzliche Baseline (EU): 7 Jahre ab Ende des Verkaufsende (nachdem das Produkt aus dem Sortiment genommen wurde).
  • Realistisches Leadership-Ziel: 10 Jahre.
  • Warum? Die Hardware eines Smartphones (insb. CPU/RAM) ist heute so potent, dass sie bei einfachem Akkutausch problemlos 8–10 Jahre nutzbar wäre.
  • Bewertung im FutureScore:
    • 5 Jahre = 0 Punkte
    • 6 Jahre = 2 Punkte
    • 7 Jahre = 4 Punkte
    • 8 Jahre = 6 Punkte
    • 9 Jahre = 8 Punkte
    • 10 Jahre = 9 Punkte
    • mehr als 10 Jahre = 10 Punkte

Modulare Bauweise / Reparaturfähigkeit (max. 4 Punkte)

  • 0 Pkt.: Gerät ist verklebt/verschraubt ohne Reparierbarkeit; keine Demontage ohne Zerstörung möglich.
  • 2 Pkt. (50%): Akku & Display tauschbar (iFixit-Score ≥ 6/10); Schrauben statt Kleber für Hauptkomponenten.
  • 4 Pkt. (100%): Vollständige Modularität (Akku, Display, Kamera, Lautsprecher einzeln tauschbar); iFixit-Score ≥ 8/10; Reparaturanleitungen öffentlich verfügbar.

Materialien & Kreislauf

Anteil von Rezyklaten (am Gesamtgerät) maximal 10 Punkte

Das ist der schwierigste Punkt, da man zwischen „Masse“ und „kritischen Rohstoffen“ unterscheiden muss.

  • Realistisches Leadership-Ziel (Masse): ca. 40 % bis 50 % am Gesamtgewicht.
  • Warum? Es ist utopisch, morgen 100% zu verlangen, da Metalle in Leiterplatten hochkomplex legiert sind.
  • Spezifische Leadership-Quoten (nach Material):
    • Aluminium: 100% (technisch sehr gut machbar).
    • Seltene Erden / Kobalt / Gold: 100% (das ist das eigentliche „Engagement“, da der Abbau dieser Stoffe am schädlichsten ist).
    • Plastik: 50%+.
  • Bewertung im Score:
    • weniger als 5 % am Gesamtgerät = 0 Punkte.
    • 10-20 % / Erste nennenswerte Fortschritte bei Aluminium-Rahmen = 2,5 Punkte
    • 25-50 % / Große Teile der Masse stammen aus zertifizierten Altquellen = 5 Punkte
    • 50-80 % am Gesamtgewicht / Fortgeschrittenes Design-for-Recycling auf Systemebene. = 7.5 Punkte
    • mehr als 80 % / Fokus auf die schmutzigsten Lieferketten (Platinenmetalle). Fast vollständige Schließung des Kreislaufs der kritischen Minerale. = 10 Punkte

Kreislauffähigkeit (10 Punkte)

Wir halten Kreislauffähigkeit für einen der wichtigsten Hebel in einer nachhaltigen Welt.

Rücknahme & Refurbishment-Programm (max. 3 Punkte)

  • 0 Pkt.: Kein strukturiertes Rücknahmeprogramm; Verweis auf externe Recyclinghöfe ohne eigene Verantwortung.
  • 1,5 Pkt. (50%): Eigenes Rücknahmeprogramm in mindestens 5 Hauptmärkten; Geräte werden aufgearbeitet und als Refurbished weiterverkauft.
  • 3 Pkt. (100%): Globales Rücknahmeprogramm; > 80 % der zurückgenommenen Geräte werden refurbisht oder hochwertig recycelt; Ziel: 0 Deponierung.

Verpackung (max. 2 Punkte)

  • 0 Pkt.: Plastikverpackung ohne Recyclinganteil; keine Angaben zur Verpackungsstrategie.
  • 1 Pkt. (50%): Verpackung zu > 90 % aus Papier/Karton; kein Einwegplastik; mindestens 50 % Recyclinganteil im Karton.
  • 2 Pkt. (100%): 100 % plastikfreie Verpackung; Karton zu > 80 % aus Recyclingmaterial; FSC-zertifiziert; Verpackungsgewicht gegenüber Vorgängermodell reduziert.

Rohstoff Ethik

Konfliktmineralien – 3TG + Kobalt (max. 4 Punkte)

Das schwerste Einzelkriterium, da Kobalt und die 3TG-Mineralien (Tantal, Zinn, Wolfram, Gold) die größten Menschenrechtshebel darstellen.

  • 0 Pkt.: Kein CMRT/EMRT eingereicht oder Smelter-Liste nicht öffentlich; keine Rückverfolgbarkeit.
  • 2 Pkt. (50%): Vollständiger CMRT/EMRT eingereicht; > 90 % der Schmelzen sind RMAP-auditiert (RMI); Kobalt-Lieferkette bis Tier-2 rückverfolgbar.
  • 4 Pkt. (100%): 100 % RMAP-konforme Schmelzen; Kobalt vollständig bis zur Mine rückverfolgbar (Chain of Custody); Direktengagement mit Minen (z. B. IRMA-Zertifizierung der Kobaltminen).

Lithium & Seltene Erden (max. 3 Punkte)

  • 0 Pkt.: Keine Angaben zu Lithium-Herkunft; keine Rückverfolgbarkeit der Seltenen Erden.
  • 1,5 Pkt. (50%): Lithium-Lieferanten bekannt und auditiert; Seltene Erden zu > 50 % aus OECD-Ländern oder zertifizierten Quellen (z. B. Responsible Minerals Initiative).
  • 3 Pkt. (100%): Lithium aus AWS-zertifizierten Abbaugebieten (kein Wasserentzug in Dürreregionen); Seltene Erden zu > 80 % aus zertifizierten Quellen; Recyclinganteil bei Seltenen Erden > 20 %.

Transparenz & Engagement vor Ort (max. 3 Punkte)

  • 0 Pkt.: Keine öffentliche Lieferantenliste; keine Angaben zu Arbeitsbedingungen in Minen.
  • 1,5 Pkt. (50%): Öffentliche Tier-1-Lieferantenliste; Mitglied in mindestens einem Branchenstandard (RMI, RMAP); Audits in Hochrisikominen nachgewiesen.
  • 3 Pkt. (100%): Öffentliche Tier-1 + Tier-2-Lieferantenliste; aktives Fair-Mining-Engagement (z. B. Finanzierung von IRMA-Audits, Direktverträge mit zertifizierten Minen); unabhängige Drittpartei-Verifikation.

Klima & Produktion

In dieser Kategorie bewerten wir drei Bereiche: CO2 Reduktion, Wassermanagement und Erneuerbare Energien entlang der Lieferkette.

Maximal 25 Punkte

CO2-Einsparung (vs. Baseline vor 10 Jahren)

Statistischer Kontext: Vor 10 Jahren (ca. Zeit des iPhone 6) lag der Fußabdruck eines Smartphones bei ca. 60–80 kg CO2e. Heute liegt er trotz deutlich komplexerer Technik oft niedriger oder gleich, weil die Energieeffizienz in der Produktion stieg.

Realistisches Leadership-Ziel: -50 % bis -60 % Reduktion der absoluten Emissionen (Scope 1, 2 & 3).

Warum? Die „Science Based Targets“ (SBTi) fordern meist eine Halbierung bis 2030, um auf dem 1,5-Grad-Pfad zu bleiben.

  • Bewertung im FutureScore
    • weniger als 10% Einsparung = 0 Punkte
    • 11-20% Einsparung = 3 Punkte
    • 21-40% Einsparung = 6 Punkte
    • 41-60% Einsparung = 8 Punkte
    • mehr als 60% Einsparung = 10 Punkte

Anteil an erneuerbaren Energien der Zulieferer(EE)

Bewertung im Score: Nur die bestätigte EE-Quote der Zulieferer (nicht die eigene) bringt die hohen Punkte im FutureScore.

Eigene Standorte (Büros/Rechenzentren): 100 % EE ist heute Industriestandard (Baseline). Wer das nicht hat, ist extrem rückständig.

Lieferkette (Manufacturing): Das ist das Schlachtfeld.

Realistisches Leadership-Ziel: 80 % bis 100 % EE-Abdeckung bei allen Zulieferern.

Warum? Apple z. B. verpflichtet seine Zulieferer bereits über das „Supplier Clean Energy Program“. Ein Leader muss nachweisen, dass nicht nur er selbst mit Ökostrom arbeitet, sondern dass die Fabriken in China, Vietnam oder Indien, die das Gerät physisch bauen, dies ebenfalls tun.

  • Bewertung im FutureScore
    • weniger als 20 % = 0 Punkte
    • 21-45% = 2 Punkte
    • 46-70% = 4 Punkte
    • 71-90% = 6 Punkte
    • mehr als 95% = 8 Punkte

Wassermanagement

1. Wasser-Recyclingquote in der Chipherstellung (Maximal 3,0 Punkte)

Dieses Kriterium bewertet, ob wertvolles Frischwasser durch moderne Kreislaufsysteme in den Halbleiterfabriken (Fabs) geschont wird.

  • 0 Punkte (0% Erfüllung): Keine Daten verifizierbar oder die Recyclingquote des Prozesswassers liegt unter 50 %.
  • 1 Punkte (50% Erfüllung): Nachweisbare Recyclingquote zwischen 50 % und 75 %. Das Wasser wird primär für nachgelagerte Prozesse (Kühltürme, Gebäudetechnik) wiederverwendet.
  • 2 Punkte (100% Erfüllung): Exzellente Kreislaufführung von über 85 %. Das genutzte Wasser wird so hochgradig gefiltert, dass es als Reinstwasser (UPW) direkt wieder für die Reinigung der Wafer eingesetzt werden kann.

2. Lokales Wasserrisiko & AWS-Zertifizierung (Maximal 2,0 Punkte)

Dieses Kriterium bewertet, ob die Fabriken in wassergestressten Regionen im Einklang mit der lokalen Bevölkerung und den dortigen Ökosystemen arbeiten.

  • 0 Punkte (0% Erfüllung): Keine systematische Erfassung oder Zertifizierung der Standorte in Dürregebieten.
  • 1,0 Punkt (50% Erfüllung): Das Endmontagewerk sowie mindestens 50 % der Kernzulieferer (Tier-1) in wassergestressten Gebieten sind unabhängig nach dem AWS Core- oder Gold-Standard zertifiziert.
  • 2,0 Punkte (100% Erfüllung): Mindestens 80 % der Zulieferer in Risikogebieten halten die strengste Auszeichnung: den AWS Platinum-Standard.

3. Abwasserreinigung & ZLD-Technologie (Maximal 3,0 Punkte)

Dieses Kriterium bewertet die Vermeidung von Gewässerverschmutzung durch giftige Produktionschemikalien und Schwermetalle.

  • 0 Punkte (0% Erfüllung): Es werden lediglich die lokalen Abwassergesetze eingehalten. Keine eigenen, über das Gesetz hinausgehenden Reinigungsstufen.
  • 1 Punkte (50% Erfüllung): Eigene, mehrstufige Abwasserbehandlungsanlagen an den wichtigen Fabrikstandorten vorhanden. Schwermetalle (wie Kupfer) werden aktiv herausgefiltert und separat entsorgt. Grenzwertunterschreitung der behördlichen Vorgaben um mindestens 20 %.
  • 2 Punkte (100% Erfüllung): Konsequente Nutzung von Zero-Liquid-Discharge-Anlagen (ZLD) an den Hauptproduktionsstandorten. Es fällt kein flüssiges Abwasser an; alle Schadstoffe werden als Feststoffe isoliert und das gereinigte Wasser verbleibt vollständig im geschlossenen Werkskreislauf.

Lieferkette & Menschen (max. 20 Punkte)

Living Wage Gap Maßnahmen (max. 8 Punkte)

Die 8 Punkte verteilen sich auf 3 Unterkriterien. Wichtig: Absichtserklärungen ohne messbare Umsetzung zählen immer 0 Punkte.

1. Lohnlücken-Analyse (max. 3 Punkte)

  • 0 Pkt.: Keine Angaben zu Löhnen in der Lieferkette; kein Vergleich mit Living-Wage-Benchmarks (z. B. Anker-Methode, WageIndicator).
  • 1,5 Pkt.: Lohnlücken-Analyse für Tier-1-Zulieferer durchgeführt; Ergebnisse intern bekannt; Referenz-Benchmark benannt.
  • 2 Pkt: Öffentlich zugängliche Lohnlücken-Analyse für Tier-1 und Tier-2; Methodik transparent; jährlich aktualisiert; unabhängig verifiziert.

2. Konkrete Lohnerhöhungs-Maßnahmen (max. 3 Punkte)

  • 0 Pkt.: Keine messbaren Maßnahmen; nur allgemeine Absichtserklärungen.
  • 1,5 Pkt: Zeitgebundener Aktionsplan; mindestens 20 % der Lohnlücke soll innerhalb von 3 Jahren geschlossen werden.
  • 2 Pkt.: Nachweisliche Lohnerhöhungen bei Tier-1 + Tier-2; Living Wage für mindestens 80 % der direkten Zulieferer-Belegschaft erreicht oder konkreter Zeitplan bis max. 2030; drittpartei-verifiziert.

3. Faire Einkaufspraktiken (max. 2 Punkte)

Dieses Kriterium ist besonders wichtig, weil Hersteller durch Preisdruck auf Zulieferer Living-Wage-Ziele strukturell sabotieren können.

  • 0 Pkt.: Keine Offenlegung der Einkaufspraktiken; Preisdruck auf Zulieferer ohne Rücksicht auf Lohnkosten.
  • 1 Pkt.: Selbstverpflichtung zu fairen Einkaufspraktiken (keine kurzfristigen Stornierungen, Kostenkalkulationen inkl. Living Wage); Mitglied in ACT (Action, Collaboration, Transformation).
  • 2 Pkt: Nachweisliche Umsetzung; Lieferantenverträge enthalten explizite Living-Wage-Klauseln; ACT-Mitgliedschaft mit aktiver Beteiligung an Branchentarifverhandlungen.

Arbeitsrechte (max. 12 Punkte)

1. Audit-System & Transparenz (max. 4 Punkte)

Das schwerste Einzelkriterium der gesamten Säule – denn ohne unabhängige Audits sind alle anderen Angaben unprüfbar.

  • 0 Pkt.: Keine unabhängigen Audits; nur Selbstauskunft der Zulieferer; keine öffentliche Lieferantenliste.
  • 2 Pkt.: Unabhängige Audits (SMETA, SA8000 oder äquivalent) bei > 80 % der Tier-1-Zulieferer; Tier-1-Lieferantenliste öffentlich.
  • 3 Pkt.: Nachverfolgung von Korrekturmaßnahmen öffentlich dokumentiert.

2. Vereinigungsfreiheit & Kollektivverhandlungen (max. 3 Punkte)

Besonders relevant für Zulieferer in China, Vietnam und Bangladesch, wo Gewerkschaftsfreiheit gesetzlich eingeschränkt ist.

  • 0 Pkt.: Keine Angaben zu Gewerkschaftsrechten; Zulieferer in Ländern mit bekannten Einschränkungen ohne Kompensationsmaßnahmen.
  • 2 Pkt.: Vertragliche Verpflichtung zur Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen; Worker-Voice-Programme als Ersatz in Ländern ohne Gewerkschaftsfreiheit.
  • 2 Pkt: Aktive Förderung von Arbeitnehmervertretungen; Worker-Voice-Mechanismen in allen Hauptzulieferländern; Nachweis, dass Beschwerden ohne Repressalien möglich sind; unabhängig verifiziert.

3. Verbot von Zwangs- & Kinderarbeit (max. 3 Punkte)

  • 0 Pkt.: Keine spezifischen Maßnahmen über gesetzliche Mindestanforderungen hinaus; kein Nachweis aktiver Überprüfung.
  • 2 Pkt.: Explizites Verbot in Lieferantenverträgen; regelmäßige unangekündigte Audits in Hochrisikoländern; Mitglied in der Responsible Business Alliance (RBA) oder äquivalent.
  • 2 Pkt.: Lückenlose Rückverfolgbarkeit bis Tier-3 in Hochrisikogebieten; Remediation-Programme für betroffene Arbeiter nachgewiesen; Konformität mit den UN Guiding Principles on Business and Human Rights (UNGPs).

4. Beschwerde- & Abhilfemechanismen (max. 2 Punkte)

  • 0 Pkt.: Kein zugänglicher Beschwerdemechanismus für Arbeiter in der Lieferkette.
  • 1 Pkt. (50%): Anonyme Beschwerde-Hotline in Hauptzulieferländern; Reaktionszeit < 30 Tage; Fallzahlen intern dokumentiert.
  • 2 Pkt. (100%): Mehrsprachiger, anonymer Beschwerdemechanismus in allen Zulieferländern; Fallstatistiken öffentlich; nachweisliche Abhilfemaßnahmen (Remediation) dokumentiert; unabhängige Ombudsstelle.
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