Was ist „The Fashion Pact“?
The Fashion Pact ist eine internationale, gemeinnützige Brancheninitiative der Mode- und Textilindustrie. Ihr Ziel ist, ökologische Probleme der Branche gemeinschaftlich anzugehen – vor allem:
- Klimaschutz bzw. Netto-Null-Emissionen
- Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität
- Schutz der Meere
- Materialien, Produktion und Kreislaufwirtschaft mit geringeren Umweltauswirkungen
Es ist keine Modemarke und auch kein staatliches Siegel. Es handelt sich um ein Netzwerk von Unternehmen, deren Führungskräfte gemeinsame Projekte und Selbstverpflichtungen verfolgen. Laut eigener Darstellung umfasst das Netzwerk über 50 CEOs, rund 150 Marken und Akteure aus etwa 20 Ländern. Siehe die offizielle Seite: The Fashion Pact.
Einfluss auf den FutureScore
Wir halten Fashion Pact für überflüssig und sehen keinen nennenswerten Impact auf Nachhaltigkeit. „Fashion Pact: Wurde oft als „Club der Reichen“ kritisiert. Viele der Ziele waren zu vage oder die Zeitpläne zu optimistisch, was zu Vorwürfen des Greenwashings führte“
The Fashion Pact veröffentlicht zwar einen jährlichen Report, der aber nur seine gesamten Ziele berichtet – nicht über die einzelnen Bemühungen der Mitglieder. Außerdem finden keine regelmäßigen Audits statt. Ausschließlich Selbstauskünfte fließen in das Reporting ein.
Wer steckt dahinter?
Die Initiative entstand 2019 im Umfeld des G7-Gipfels in Biarritz:
- Der französische Präsident Emmanuel Macron bat François-Henri Pinault, den Chef des Luxusgüterkonzerns Kering, führende Mode- und Textilunternehmen für einen Nachhaltigkeitspakt zusammenzubringen.
- Pinault gilt als Mitgründer; ebenfalls als Mitgründer und Co-Chair genannt wird der frühere Unilever-Chef Paul Polman.
- Zu den ursprünglichen Unterzeichnern gehörten große Konzerne und Marken wie Adidas, Chanel, H&M Group, Inditex/Zara, Kering, Nike, Prada, Puma und andere. Eine zeitgenössische Übersicht liefert Vogue Germany.
Ist das seriös?
Ja – als reale Brancheninitiative ist The Fashion Pact seriös. Die Entstehung, Führung und Mitgliedschaft sind öffentlich nachvollziehbar, und es gibt eine offizielle Organisation mit veröffentlichten Dokumenten, Projekten und Finanzinformationen auf ihrer Website.
Aber: Seriös heißt nicht automatisch, dass jedes Mitglied oder jede einzelne Nachhaltigkeitsaussage uneingeschränkt vertrauenswürdig ist.
Wichtige Einordnung:
- Die Initiative ist vor allem eine freiwillige Selbstverpflichtung, kein Gesetz und kein unabhängiges Produktsiegel.
- Mitgliedschaft bedeutet daher nicht automatisch, dass eine bestimmte Marke durchgehend nachhaltig, fair oder frei von problematischen Lieferketten ist.
- Gerade bei Fast-Fashion-Unternehmen besteht ein nachvollziehbarer Zielkonflikt: Ihr Geschäftsmodell beruht häufig auf großen Mengen und schnellem Konsum.
- Kritiker bemängeln insbesondere, dass freiwillige Branchenbündnisse nur dann überzeugend sind, wenn sie messbare, öffentlich überprüfbare Fortschritte liefern. Diese Kritik wurde bereits bei der Gründung formuliert, etwa in dieser Einordnung von Pando Fashion.
Fazit
The Fashion Pact ist kein offensichtlicher Betrug und keine bloße Fantasieorganisation, sondern ein etabliertes Bündnis großer Modeunternehmen mit einem echten Nachhaltigkeitsanspruch. Zugleich sollte man es nicht als unabhängigen Beweis dafür verstehen, dass beteiligte Marken automatisch nachhaltig handeln.
Wenn du eine bestimmte Mitgliedsmarke beurteilen willst, sind zusätzlich konkrete Nachweise wichtiger: Lieferkettentransparenz, überprüfbare Klimadaten, unabhängige Zertifizierungen, Arbeitsbedingungen und Haltbarkeit der Produkte.